Antibiotika werden knapp

Antibiotika werden knapp

Und das liegt diesmal nicht an Resistenzen – sondern an Lieferengpässen. In den letzten Monaten häufen sich wieder die Meldungen, dass es teils enorme Lieferschwierigkeiten bei Medikamenten gibt. Darunter sind auch Antibiotika. Woran das liegt und was wir aus den Katastrophen der letzten Monate lernen sollten, lest Ihr in diesem Artikel.

Lieferengpässe bei wichtigen Medikamenten

Die Globalisierung hat Vorteile, ohne Frage. Sie hat aber auch enorme Nachteile, wenn lebensnotwendige Produkte nicht im eigenen Land produziert werden und globale Lieferketten gestört werden. Es darf nicht sein, dass in Deutschland Medikamente knapp werden, wenn eine Pandemie Asien in den Lockdown bringt, sich ein Frachter im Suezkanal verkeilt oder in China eine Fabrik explodiert. Aber genauso ist es. Und nicht immer können die Patienten mit dem gleichen Wirkstoff von einem anderen Hersteller, einem sogenannten Generikum, versorgt werden

Unter anderem die Deutschen Gesellschaft für Infektiologie e.V. (DGI) und der Bundesverband Deutscher Krankenhausapotheker e.V. (ADKA) warnen vor einer Gefährdung der Patientensicherheit in Deutschland, da lebenswichtige Arzneimittel wie Krebs- und Notfallmedikamente sowie Blutdruck-Medikamente und Antibiotika immer wieder schwer oder gar nicht erhältlich sind. Und auch, dass im Fall von Antibiotika durch das Ausweichen auf Ersatz-Antibiotika das Problem von Resistenzentwicklungen weiter verschärft wird.

Ein Ausweichen auf andere Antibiotika ist möglich, aber fatal

Wenn ein Medikament nicht zu bekommen ist, kann in den meisten Fällen auf ein Alternativpräparat zurückgegriffen werden. Unter Umständen wirkt dies jedoch weniger gut oder hat mehr Nebenwirkungen.

Für Antibiotika bedeutet dies oftmals, dass auf Präparate mit einem unnötig breiten Wirkspektrum ausgewichen werden muss. Genau das, was alle Initiativen zur rationalen Antibiotikaverordnung verhindern wollen, denn genau so steigt die Wahrscheinlichkeit zur Ausbildung weiterer Antibiotikaresistenzen.

Gründe für Lieferengpässe bei Antibiotika (und anderen Medikamenten)

Es gibt mehrere Faktoren, die zu Lieferengpässen bei Antibiotika führen können. Meist kommen mehrere zusammen:

  1. Störungen in den Lieferketten (z.B. durch quer stehende Frachter).
  2. Ein enormer Preisdruck (vor allem bei Generika), der die Produktion in Billiglohnländer verlagert.
  3. Die in Billiglohnländern geringeren Sicherheitsstandards machen die Produktion anfälliger für Produktionsprobleme.
  4. Roh- und Wirkstoffproduktionen laufen teilweise nur in einem einzigen Werk – wenn hier etwas passiert, fehlen die Substanzen vollständig.
  5. Weltweit steigende Nachfrage.

Was muss sich tun, um Lieferengpässe bei Antibiotika zu vermeiden?

Auch wenn es kostenintensiver ist: Zumindest Knowhow und Produktionsmöglichkeiten müssen wir im Land haben, um die Versorgungssicherheit in Deutschland sicherzustellen. Rein über die Marktwirtschaft lässt sich das Problem keinesfalls beheben – die Politik muss hier verbindliche Pläne ausarbeiten, um die Produktion wichtiger Medikamente sowie die von Wirk- und Rohstoffen wieder nach Deutschland zu holen.

Grund zur Panik?

Noch nicht. Auch wenn sich seit dem Herbst die Meldungen über fehlende Medikamente inkl. wichtiger Antibiotika häufen, mahnen viele Insider, dass kein Grund zur Panik besteht. Aber zur Besorgnis. Es muss dringend ein Umdenken erfolgen. Wichtige Medikamente und ihre Vorstufen müssen im Land produziert werden können. Die aktuelle Abhängigkeit sollte sich bei der Medikamentenversorgung kein Land leisten.

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