Was tun bei einer Penicillin Allergie

Was tun bei einer Penicillin-Allergie?

Als erstes solltest Du ärztlich abklären lassen, ob Du wirklich (noch) an einer Penicillin-Allergie leidest. Denn die meisten Menschen, die ehrlich davon überzeugt sind, haben gar keine. Und selbst wenn es in der Vergangenheit zu einer echten allergischen Reaktion mit den entsprechenden Symptomen gekommen ist, kann sich die Penicillin-Allergie nach einigen Jahren wieder verlieren.

Penicilline – Alte Hasen mit immer noch guter Wirksamkeit

Penicilline gehören zu den sogenannten β-Lactam-Antibiotika, die zu den sichersten, best verträglichen und vor allem wirksamsten Antibiotika gehören. Penicillin ist außerdem eins der ersten Antibiotika, die entwickelt wurden – die Erprobungsphase ist dementsprechend lang. Sogar Kleinkinder können bei schweren Infektionen mit Penicillinen behandelt werden – und hier liegt unter Umständen auch der Ursprung der hohen Zahl vermeintlicher Allergien. Aus Schilderungen der Eltern oder der eigenen lang zurückliegenden Erfahrungen mit Symptomen wie Durchfall, Hautrötungen oder Juckreiz wird schnell ein: „das habe ich nicht vertragen“, also eine Penicillin-Allergie. Eine allergische Reaktion ist dies jedoch nicht unbedingt gewesen.

Penicillin-Allergie ist meist keine

Eine Penicillin-Allergie ist die am häufigsten von Patienten angegebene Medikamenten-Allergie. Laut einer amerikanischen Studie von 2019 geben etwa 10% der Amerikaner an, an einer Penicillin-Allergie zu leiden – bei ihrer Untersuchung zeigte sich jedoch, dass 95% dieser vermeintlichen Allergiker gar keine Penicillin-Allergie hatten. 2004 kam man in Deutschland zu ähnlichen Ergebnissen: Hier gab ebenfalls jeder zehnte an, dass er eine solche Allergie hat. Laut der Studie waren davon allerdings nur 25% tatsächlich allergisch.

Und laut anderer Studien muss eine einmal festgestellte Allergie nicht unbedingt das ganze Leben lang bestehen bleiben. Fünf Jahre nach der allergischen Reaktion auf Penicillin besteht bei etwa 50% der Betroffenen keine Überempfindlichkeit mehr. Nach zehn Jahren sind es nur noch 20% der ursprünglichen Allergiker, die überempfindlich auf Penicillin reagieren. Selbst wenn bei Dir also einmal eine solche Allergie festgestellt wurde, lohnt es sich, dies noch einmal überprüfen zu lassen.

 

Das Problem einer vermeintlichen Penicillin-Allergie

Insbesondere in akuten Notfällen fehlt die Zeit, einen Allergie-Test durchzuführen. Gibt ein Patient also an, an einer Penicillin-Allergie zu leiden, müssen die Ärzte auf andere Antibiotika ausweichen. Und solange nicht klar ist, auf welche Substanz der Patient genau allergisch reagiert hat, kann kein Antibiotikum aus der Gruppe der β-Lactame gegeben werden. Das heißt Penicilline, Penicillin-Derivate und Cephalosporine fallen weg. Die alternativen Antibiotika sind jedoch oft weniger wirksam, weniger gut verträglich und fördern zudem die Antibiotikaresistenzen.

Eine Studie kam sogar zu dem Ergebnis, dass Menschen, die aufgrund einer Penicillin-Allergie mit einem alternativen Antibiotikum behandelt wurden, ein um fast 15% höheres Risiko haben, sich mit einem multiresistenten Erreger (MRSA) zu infizieren.

Die Deutsche Gesellschaft für Infektiologie (DGI) und auch die Deutsche Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAKI) raten daher dazu, vermutete Penicillin-Allergien verstärkt zu überprüfen, sofern dies zeitlich möglich ist.

Wie wird die Allergie zweifelsfrei festgestellt?

Wer glaubt, an einer Allergie zu leiden, sollte sich aus den oben genannten Gründen daher bei einem Allergologen testen lassen. Die eigentliche Allergie-Feststellung erfolgt in vier Schritten: Zunächst erfolgt ein Gespräch mit dem Patienten, in dem die Allergie-Erfahrungen abgefragt werden. Danach erfolgt die Laboruntersuchung einer Blutprobe, denn bei einer echten Allergie lassen sich sogenannte IgE-Antikörper gegen Penicillin feststellen. Im nächsten Schritt wird ein Hauttest durchgeführt. Zeigen die ersten drei Schritte keinerlei Hinweise auf eine echte Allergie, wird der sogenannte Provokationstest durchgeführt, bei dem der Patient unter Aufsicht zunehmend höhere Dosen Penicillin bekommt.

Symptome einer echten Penicillin-Allergie

Der von vielen befürchtete anaphylaktischen Schock, eine akute allergische Reaktion, die mit Atemnot, Krampfanfällen, Kreislaufproblemen und Bewusstseinsstörungen lebensbedrohlich sein kann, ist extrem selten.

In den meisten Fällen zeigen sich folgende Symptome:

  • Juckreiz
  • Hautausschlag (fleckig-knotig, Quaddeln oder Pusteln, Nesselsucht) und Hautrötung
  • laufende Nase oder tränende Augen
  • Schwellungen der Schleimhäute, der Zunge oder im Gesicht
  • Ödeme (Schwellungen aufgrund von Flüssigkeitsansammlungen im Gewebe)
  • Fieber
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Herzrasen
  • Atemnot oder eine pfeifende oder brummende Atmung

Viele der Allergie-Anzeichen können jedoch auch aufgrund der Grunderkrankung entstehen, weshalb die Unterscheidung für den Laien und selbst für einige Mediziner nicht immer eindeutig sind. Bei den allergischen Reaktionen unterscheidet man zwischen Sofortreaktionen und Spätreaktionen. Alles, was innerhalb von Sekunden oder Minuten nach dem Kontakt mit dem Penicillin auftritt, gehört zu den Sofortreaktionen und ist ein recht sicheres Zeichen für eine Penicillin-Allergie.

Fazit

Viele Menschen sind sicher, an einer Penicillin-Allergie zu leiden, die wenigsten von ihnen sind es tatsächlich. Sofern die Allergie aus Zeitmangel oder aus Unwissenheit nicht überprüft wird, bekommen diese Patienten unter Umständen nicht die beste Behandlung, die in vielen Fällen tatsächlich noch immer Penicillin ist. Daher solltest Du überprüfen lassen, ob Du tatsächlich an dieser Allergie leidest, wenn Du bisher davon ausgehst!

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