Schon Alexander Fleming warnte vor Antibiotika-Resistenzen

Alexander Fleming ist der Wissenschaftler, dessen Schludrigkeit wir das Penicillin verdanken. Hätte die Menschheit ihm bei seiner Nobel-Preis-Rede besser zugehört, würden Hunderttausende noch leben. Dann gäbe es nämlich weniger Antibiotika-Resistenzen und selbst Penicillin würde vielleicht auch bei Staphylokokken noch so durchschlagend wirken, wie am ersten Tag. Aber von vorn erzählt:

Wie Alexander Fleming 1928 durch Schludrigkeit das Penicillin fand

Die Geschichte ist zwar hinlänglich bekannt, doch macht es immer wieder Spaß sie zu erzählen. Schließlich wird Wissenschaftlern gern nachgesagt, dass sie pedantisch sind. Sind sie nicht. Zumindest nicht alle.

Alexander Fleming interessierte sich schon früh für die Bekämpfung von bakteriellen Krankheiten. 1928 arbeitete er mit Staphylokokken-Kulturen und räumte offenbar nicht richtig auf, als er in den Sommerurlaub verschwand. Als er im September ins Labor zurückkam, fand er eine verschimmelte Kultur seiner Staphylokokken und stellte fest, dass ein Schimmelpilz namens „Penicillium“ die Bakterien abgetötet hatte.

Das Potenzial erkennend, machte Fleming sich auf die Suche nach der dafür verantwortlichen Substanz und konnte sie schließlich extrahieren. Er nannte sie Penicillin.

Erst 1941 kommt Penicillin wirklich zum Einsatz

Es dauerte einige Zeit, bis die Bedeutung von Flemings Entdeckung ernst genommen wurde. Dann brauchte es noch einmal Zeit und zahlreiche weitere Forscher, wie Ernst Boris Chain und Howard Walter Florey, bis aus der Substanz Penicillin ein Medikament wurde. Erst 13 Jahre nach der Entdeckung, im Jahr 1941, wurde der erste Patient mit Penicillin behandelt. 1943 rettete es bereits unzähligen Soldaten beim Nordafrika-Feldzug das Leben oder ihre Gliedmaße, die ohne Penicillin hätten amputiert werden müssen.

Ab Mitte der 1940er Jahre hatte sich die Wirksamkeit des ersten Antibiotikums herumgesprochen und es war dementsprechend heiß begehrt. Trotz einer gesteigerten Produktion war Penicillin im Europa der Nachkriegsjahre Mangelware und wurde sogar auf dem Schwarzmarkt gehandelt. Der Stoff reichte sogar der Filmindustrie, die 1949 mit „Der dritte Mann“ die kriminellen Machenschaften rund um das Penicillin in einen Film bannte, der auch heute noch absolut sehenswert ist.

Infektionskrankheiten von der bakteriellen Lungenentzündung über Wundstarrkrampf bis hin zur weit verbreiteten Syphilis konnten plötzlich behandelt werden. So ist es kein Wunder, dass Penicillin als eine der größten Innovationen der Medizingeschichte gilt. Es war das Wundermittel schlechthin. Und genau darin lag das Risiko.

In seiner Nobel Lecture fand Fleming warnende Worte…

…auf die niemand richtig hörte. Fleming hatte im Labor bereits Resistenzbildungen beobachtet, wenn die Bakterien nicht mit einer ausreichenden Menge Penicillin in Kontakt kamen. Und so beendete er seine Nobel-Preis-Vorlesung mit der Warnung, dass Penicillin mit Bedacht eingesetzt werden sollte, um Resistenzen zu vermeiden.

Flemings Worte blieben ungehört. Penicillin wirkte Wunder – und wurde dank seiner durchschlagenden Wirkung immer öfter, immer früher und immer unbedachter eingesetzt. Sogar den Sprung in die Massentierhaltung schaffte es, und sorgte dafür, dass mehr Tiere auf weniger Raum gehalten werden konnten – und immer mehr Mikroorganismen gegen Penicillin Resistenzen entwickelten.

Heute drohen wir, in die Zeit zurückzufallen, in denen genau die Bakterien uns wieder umbringen können, vor denen Fleming und die zahllosen Forscher nach ihm uns geschützt haben. Darum bitte ich jeden einzelnen genau darüber nachzudenken, wann die Einnahme eines Antibiotikums nötig ist und wann ein paar Tage Ruhe ausreichen, um das Immunsystem seine Arbeit machen zu lassen. Und wenn Du ein Antibiotikum einnehmen musst, dann nimm es bitte auch konsequent und achte darauf, es genau nach Vorgabe, in der Menge und so lange wie verschrieben einzunehmen.

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