Hat die Corona-Pandemie einen Einfluss auf die Entwicklung von Antibiotika-Resistenzen?

Leider ja. Obwohl Antibiotika weder zur Behandlung von Virusinfektionen wie COVID-19 geeignet sind, noch diese verhindern können. Trotzdem zeigen die Daten verschiedener Institutionen aus unterschiedlichen Ländern, dass mit zunehmenden Corona-Fallzahlen auch der Gebrauch von Antibiotika gestiegen ist.

Warum ist die Einnahme von Antibiotika durch die Corona-Pandemie gestiegen?

Als die ersten COVID-19-Infektionen ausbrachen, brach mit ihnen die Panik aus. Auch unter den Medizinern. Und ich kann es verstehen. Niemand wusste so genau, was das Virus so gefährlich machte, warum es den Patientinnen und Patienten teilweise so schnell so schlecht ging. Viele Ärztinnen und Ärzte wollten bakterielle Superinfektionen als Erklärung nicht ausschließen. Zumal zu Beginn der Pandemie ein Corona-Test deutlich mehr Zeit in Anspruch nahm als dies heute der Fall ist. 

Wer in die Kliniken kam, wurde daher meist sofort mit einem oder mehreren Breitbandantibiotika behandelt. In der Tat entwickeln auch etwa 15% aller COVID-19-Patienten mit einem schweren Krankheitsverlauf zusätzlich eine bakterielle Infektion. Diese Menschen müssen größtenteils mit Antibiotika behandelt werden. Vor allem zu Beginn der Pandemie zeigen die Daten allerdings, dass bis zu 75% aller Patienten Antibiotika erhalten haben. Und so warnt nicht nur die WHO immer wieder, dass Antibiotika nur bei nachgewiesener bakterieller Infektion eingesetzt werden dürfen, um die Ausbreitung der Antibiotika-Resistenzen zu verhindern.

Noch immer herrschen Unsicherheit und Unwissen

In vielen Krankenhäusern hat ein Umdenken eingesetzt. Hier werden Antibiotika im Zusammenhang mit COVID-19 nur noch bei einer nachgewiesenen bakteriellen Ko-Infektion eingesetzt. Jedoch scheint es einige Ärztinnen und Ärzte zu geben, die schon in der Frühphase einer Corona-Infektion Antibiotika verschreiben. Ohne dass eine bakterielle Ko-Infektion vorliegt oder zu erwarten ist. 

Der WHO liegen sogar Daten aus neun Ländern und Gebieten der Europäischen Region vor, nach denen einige Menschen Antibiotika zur Vorbeugung einnehmen. Sie waren weder mit Corona noch mit einem anderen Erreger infiziert, gaben bei einer Befragung jedoch an, Antibiotika einzunehmen, um eine Infektion zu verhindern. An dieser Stelle daher noch einmal ganz deutlich: Antibiotika können eine Corona-Infektion weder verhindern noch heilen. Sie helfen nur gegen bakterielle Infektionen.

Antibiotika müssen bedacht eingesetzt werden

Antibiotika retten jeden Tag tausenden von Menschen das Leben. Sie haben die Welt verändert und viele Erkrankungen heilbar gemacht, an denen früher gestorben wurde. Doch mit jedem Einsatz geben wir den Bakterien die Chance, sich gegen die Antibiotika zu wappnen und resistent zu werden. Und auch wenn man inzwischen überwiegend dazu übergegangen ist, Antibiotika nur noch bei nachgewiesener bakterieller Ko-Infektion einzusetzen, ist die Corona-Pandemie leider zu einem unnötigen Brandbeschleuniger für die Entwicklung von Multiresistenzen geworden.

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