Dank Antibiotika bei Reisedurchfall zum resistenten Bakterium als Urlaubs-Mitbringsel

Urlaubszeit = Durchfallzeit. Zumindest sind Durchfallerkrankungen die am häufigsten auftretenden Erkrankungen auf Reisen. Nach Schätzungen erkranken 20-50% der Urlauber in Asien, Afrika, Mittel- und Südamerika an Diarrhö. Viele Reisende packen daher vorsorglich ein Antibiotikum ein. Doch das ist keine gute Idee.

Eine Selbstmedikation mit Antibiotika kann zu einer Veränderung der „Darmflora“ führen

In der Regel klingen die typischen Durchfallerkrankungen, die vor allem in den Tropen und Subtropen drohen, nach 2-4 Tagen auch ohne Antibiotikum ab. Nur bei einer schweren Diarrhö, bei der Blut oder Schleim im Stuhl vorhanden ist, sollten die Betroffenen medizinischen Rat einholen und nach Rücksprache ein Antibiotikum einnehmen. Viele Urlauber haben jedoch schon ein Antibiotikum im Gepäck und nehmen es auf eigene Faust bei den ersten Anzeichen ein.

Dass dies keine gute Idee ist, haben finnische Wissenschaftler nachgewiesen. Sie konnten zeigen, dass 80% der Reisenden, die in ihrem Urlaub in tropischen Regionen eine Durchfallerkrankung mit Antibiotika behandelt hatten, mit resistenten Bakterien im Darm nach Hause kamen. Bei den Reisenden, die ihren Reisedurchfall ohne Antibiotikum auskuriert hatten, waren es nur 47%.

Warum haben vor allem die mit Antibiotika Behandelten resistente Bakterien im Darm?

Der menschliche Darm ist von zahllosen „guten“ Mikroorganismen besiedelt, die nicht nur an der Verdauung, sondern auch an der Darmgesundheit beteiligt sind und sogar das Immunsystem unterstützen. Dieses sogenannte Mikrobiom sorgt im Normalfall auch dafür, dass sich schädliche Mikroorganismen nicht ungehindert im Darm ausbreiten können. Durch Antibiotika werden jedoch nicht nur Krankheitserreger abgetötet – auch die guten Mikroorganismen des Mikrobioms fallen ihnen zum Opfer. Haben sich resistente Bakterien im Darm festgesetzt, haben sie dann leichtes Spiel und können sich munter vermehren.

Was solltest Du tun, wenn der Reisedurchfall Dich erwischt?

Die Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) empfiehlt bei Durchfallerkrankungen in erster Linie, die Symptome zu behandeln. Besonders wichtig ist, den Flüssigkeits- und Elektrolytverlust auszugleichen. Darum sind Tee (vor allem Fenchel und Kamille) und Suppen zu Beginn ein Muss. 2 Liter pro Tag sollten es mindestens sein. Kaffee, Säfte, Limonaden und vor allem Alkohol sind nicht geeignet. Auch die oft angepriesene Cola ist offen gestanden keine gute Idee. Sie enthält zu viel Zucker und noch dazu regt das in ihr enthaltene Koffein die Nieren dazu an, mehr Kalium auszuscheiden – ein Elektrolyt, das der Körper durch den Durchfall bereits verliert und das dringend aufgefüllt werden muss. Dafür sorgen zum Beispiel Bananen, da sie reich an Kalium sind. Sie stopfen auch gut, weil sie viel Pektin enthalten, das Wasser bindet. Auch Reis und Zwieback gehören zu den stopfenden Lebensmitteln.

Oft werden Probiotika empfohlen (z. B. Lactobacillus GG oder der Hefepilz Saccharomyces boulardii), da ihre Einnahme laut einiger Studien eine Durchfallerkrankung um etwa einen Tag verkürzen konnte – aber ganz klar ist die Studienlage dazu leider nicht.

Vorbeugung ist der beste Schutz

Ein resistentes Bakterium im Darm ist für gesunde Menschen in der Regel kein Drama. Tatsächlich hatten bei einer Untersuchung des Universitätsklinikums Leipzig 30% der Reisenden noch ein Jahr nach ihrer Fernreise nach Indien und Südostasien resistente Bakterien im Darm. Keiner war zum Zeitpunkt der Untersuchung daran erkrankt. Problematisch werden die Erreger jedoch, wenn Du eine Infektion bekommst, bei der die Erreger aus Deinem eigenen Darm stammen oder wenn sie, zum Beispiel in einem Krankenhaus,an Menschen mit geschwächtem Immunsystem weitergegeben werden.

Eine Reise-Diarrhoe erst gar nicht zu bekommen, ist daher die absolut beste Idee. Nicht nur, um sich den Urlaub nicht zu vermiesen, sondern auch, um die resistenten Bakterien nicht nach Hause zu bringen. Achte im Urlaub daher unbedingt auf die nötige Hygiene und darauf, dass alle Speisen gut durchgegart sind oder im Fall von rohem Obst oder Gemüse von Dir selbst geschält wurden. („Boil it, cook it, peel it or forget it!“) Getränke sollten im besten Fall immer in original verschlossenen Flaschen oder Dosen sein. Auch das Wasser zum Zähneputzen. Muscheln, Speiseeis sowie Eiswürfel in Getränken solltest Du unbedingt meiden.

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